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Rio de Janeiro, den 21.03.2015

Liebe Freunde!

Bonito - Aruba – Bonaire – Curacao - Noronha und Fußball-WM in Brasilien

Darum geht´s dieses Mal…
Ein (wieder mal) ereignisreiches Jahr liegt hinter mir... Kurz nachdem ich meinen letzten Bericht verfasst hatte, reiste ich vom 18.-22.04.2014 nach Bonito. Die Anreise erfolgte per Bus – 1600 km in 24 Stunden. Aber sie war problemlos, da der Bus sehr komfortabel war und über Liegesitze verfügte, so dass man nachts schlafen konnte. (Das Reisen per Bus – auch über mehrere Tage – ist in Brasilien übrigens recht weit verbreitet.) Bonito ist ein großes Öko-Tourismusgebiet, d.h. eine Gegend, in der die Besucherzahl für die jeweiligen Sehenswürdigkeiten so begrenzt ist, dass man zum einen nie das Gefühl hat, in einem Massentourismus-Gebiet zu sein, zum anderen wird die Natur hierdurch natürlich geschont. Es gab eine Reihe von Sehenswürdigkeiten – neben einer reichhaltigen Tierwelt eine Grotte mit kristallklarem, blauen Wasser, ein grosses Erdloch mit freifliegenden Aras, einen Fluss, auf dem es per Schlauchboot mehrere Wasserfälle zu passieren gab (Adrenalin pur…) und als Höhepunkt einen weiteren Fluss mit wirklich glasklarem Wasser, in dem man sich bei angenehmer Wassertemperatur ca. 2 Stunden lang von der Strömung treiben lassen und dabei eine Vielzahl von Fischen beobachten konnte.
Ara
Bonito - Ara  
Blaue Grotte
Bonito - Blaue Grotte  
Bonito FlussHyazinth Ara
Bonito - fischreicher Fluss
Bonito - Hyazinth Ara  
StartpositionBonito - Startposition  
ucane Bonito - Tucane  

WasserfallWasserfall  

BonitoBonito

Bonito

Im Juni 2014 stand die Fußball-WM in Brasilien an. Da die Brasilianer – obwohl fanatische Fußball-Fans – von dieser Idee wenig begeistert waren, weil sie lieber die dringendst notwendigen Investitionen im Bereich Schule, Gesundheitswesen und Sicherheit gesehen hätten (deshalb auch die schweren Demonstrationen ein Jahr vorher), beschloss ich, vorsichtshalber erst einmal das Weite zu suchen und flog erneut mit Jacira nach Curacao. Leider hatte unser Lieblingsrestaurant geschlossen, aber dennoch waren die Tage auf der Insel erneut absolut traumhaft. Wäre es zu Ausschreitungen in Brasilien gekommen, hätte ich den Urlaub verlängert, aber glücklicherweise war es in Brasilien ruhig geblieben.
CuracaoJacy
Curacao
Curacao - Jacy in Begleitung 
Curacao
Curacao - näher ran ging nicht   
Dracula
Dracula in seinem Sarg - Krabbe in Muschel  
Einsiedler Curacao - Einsiedlerkrebs  
Garnele
Curacao - Garnele  
Eidechsenfisch
Curacao - Eidechsenfisch  
Apt

Kurz vor der Rückkehr flogen wir noch für ein paar Tage auf die Nachbarinsel Aruba.
Diese war allerdings eine (kleine) Enttäuschung für uns gewesen, da sie ausschließlich auf amerikanischen Massentourismus ausgerichtet ist.

Kite-Surfing, Wasser-Scouter, Hotelburgen etc. – nicht meine & unsere Welt. Es gibt zwar große Sandstrände, aber mit ebenso großen Hotel - und Resort-Anlagen. Die kleinen, beschaulichen Buchten von Curacao, an denen man höchstens mal einen Kiosk vorfindet, sind einfach nicht zu toppen.
Wen das dennoch mehr interessiert, als eine naturnahe Taucherinsel, dem kann ich unser Resort AMSTERDAM bestens empfehlen.

 

Sonnenuntergang vom Apt aus auf Curacao

Bei der Rückkehr zum Flughafen per Taxi wurden wir von einem der luxuriösesten Wagen abgeholt, den ich je gesehen habe (Lincoln Ambassador oder so). Auf meine verwunderte Frage antwortete der Fahrer nur, es hätte gerade kein anderer Wagen zur Verfügung gestanden, und Amerikaner würden diese Art von Service lieben…

Ressort
Ressort auf Aruba  
Pelikane
Pelikane auf Aruba  
Baum Bäume auf Aruba  
Jacy
Jacy am Strand auf Aruba  
Also gut, wir kehrten nach Rio zurück und konnten uns nur noch über den Verlauf der Fußball-WM wundern. Deutschland – Brasilien 7 : 1 ... Was war denn das??? Aber ich konnte mich nicht wirklich darüber freuen. Zwar bin ich immer noch in meinem Herzen (linke Hälfte) Deutscher, aber nach nunmehr 7 Jahren eben auch ein wenig Brasilianer (rechte Hälfte), und wie mir brasilianische Freunde wiederholt bestätigt haben, bin ich offenbar ¨o alemao mais carioca do mundo¨ = der den in Rio geborenen Brasilianern ähnlichste Deutsche der Welt…
Ich fühlte mit den Brasilianern und fühlte mich mit ihnen gedemütigt….
Aber sie nahmen es überraschend gelassen hin.
Jacira und ich haben das Spiel auf einer Großleinwand am Strand von Copacabana gesehen. Nach dem Ende der ersten Halbzeit meinte sie, es wäre vielleicht besser, sich zu verziehen. Keine Ahnung, was passieren würde, wenn das Spiel so weiter ginge.
In meinem Apartment angekommen juckte es mich aber dann doch, nochmals rauszugehen, und ich sah mir die 2. Hälfte des Spieles in einer nahe gelegenen Straßenkneipe an – einziger Deutscher unter ca. 50 oder 60 Brasilianern.

Am Ende herrschte pures Entsetzen unter ihnen, aber nicht einer wurde mir gegenüber aggressiv.  Vielmehr drückten mir die Brasilianer ihren Respekt und ihre Bewunderung für die Leistung der dt. Mannschaft aus. Es war beeindruckend.

Ähnliches erfolgte nach dem Endspielsieg über  Argentinien, den ich ebenfalls am Strand von Copacabana verfolgt hatte. Rio war überfüllt mit Argentiniern, die z.T. nur die Hinreise hatten finanzieren können und nicht wussten, wie sie zurückkehren sollten.
Nach dem verlorenen Spiel ging ich durch Heerscharen niedergeschlagener argentinischer Fans zurück nach Botafogo. Nicht ein einziges Mal begegnete man mir aggressiv. Ebenfalls beeindruckend….

Trikot
Aber so schön die Stimmung während der Spiele auch gewesen war, die Realität  holte uns in Form eines Artikels in einer populären Wochenzeitschrift wieder ein. Dort wurde darauf aufmerksam gemacht, dass in Brasilien täglich durchschnittlich 140 Menschen umgebracht werden… (allein in der STADT Caracas in Venezuela ist die Anzahl übrigens die gleiche, wie mir ein neuer Kollege, der dort gearbeitet hatte, berichtet hat). Südamerika ist halt doch eine andere Welt und leider sehr gegensätzliche Welt…
Kehren wir zurück zum Thema –
Im Oktober 2014 begann mein Abschied auf Raten. - Zum 7. und (vorerst) letzten Mal flog ich (mit Jacira) nach Fernando de Noronha. Die Tauchgänge waren – wie immer – spektakulär. Den Höhepunkt bildete ein erneuter Tauchgang mit dem Guide ¨Samuca¨ zu der in 60 m Tiefe liegenden ¨Corvetta¨.
Leider wird die ohnehin schon sehr teure Insel von Jahr zu Jahr teurer, und leider zerfällt sie im gleichen Maßstab. Die Bewohner klagen, die Insel sei ¨abandonado¨( = aufgegeben, verlassen, verwahrlost) und beklagen damit, dass sich der Bundesstaat Pernambuco, zu dem die Insel gehört, zwar die nicht unbeträchtlichen Steuern, die man bei Ankunft auf der Insel zahlen muss, einsteckt, sich aber überhaupt nicht um sie kümmert…
Noronha - Bahio do Sancho mit Jacira X

Seit nunmehr mind. 7 Jahren wird eine Festung – wie es auf einem großen Plakat am Eingang derselben steht – renoviert. Aber erkennen konnte ich leider die ganze Zeit nichts.

Die Hauptstraße im ¨größten¨ Ort Remedio hatte jedes Jahr größere Löcher, aber anstatt sie zu flicken, hat man die Straße nun kurzerhand einfach teilweise gesperrt.
Und die ca. 40 oder 50 etwa 20 m breiten Stufen zur Kirche zerbröckeln jedes Jahr mehr. Es ist traurig und steht in krassem Gegensatz zu den nach wie vor paradiesischen Stränden der Insel.
Dieses Mal ist es mir endlich gelungen, ein perfektes Foto von meinem Lieblingsstrand ¨Bahia do Sancho¨, der auch weltweit zu den 10 schönsten Stränden gezählt wird, zu machen.  Bisher gab´s immer irgendwo eine Überschneidungen im Bild oder etwas anderes, das mich unzufrieden sein ließ.

 

Noronha  
Noronha
Noronha - Bahia do Sancho  
Noronha
Noronha  
Im Dezember 2014 sind Jacira und ich erneut nach Deutschland geflogen, sie besuchte es zum 2. Mal, konnte sich nun erstmals auch mit meinen Eltern unterhalten und hatte interessanterweise weitaus weniger Probleme mit dem Wetter gehabt, als ich… Die Landung in Amsterdam war übrigens aufgrund der Windverhältnisse im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend! Der Flieger schlingerte wie verrückt, und als ich beim Verlassen des Flugzeuges dem Flugkapitän begegnete, lobte ich ihn mit den Worten ¨perfect landing¨ - worauf er mich ansah und nur die Augen verdrehte…

Den Rückflug mussten wir aus Buchungsgründen von Düsseldorf antreten und zuerst nach Amsterdam fliegen. Die dortige Landung war erneut vom Feinsten. Ich war mir sicher, der Pilot würde durchstarten müssen, aber damit wäre das Wetter natürlich auch nicht besser geworden…
Wir flogen in 10 ½ Stunden nach Aruba und von dort noch einmal in knapp 1 Stunde zurück nach Bonaire.
Kurzbeschreibung des Taxifahrers, der uns vom Flughafen abgeholt hatte:
18.000 Einwohner und 12.000 Tauchflaschen…

Damit ist eigentlich alles gesagt.

 

 

 

Verkehrsschild auf Bonaire

Verkehrsschild

Diese Insel ist tatsächlich nur etwas für Taucher: Sie ist flach, voller bis zu 6 m hoher Säulenkakteen (ich liebe Kakteen seit meinem 6. Lebensjahr, aber das war einfach nur ätzend…) und die Strände sind nur steinig. Habe mir aufgrund der Steine und der Brandung mehrfach bei der Rückkehr vom Tauchen übel die Hände aufgerissen.
Nach der Hälfte unseres Urlaubs sind wir dann wie geplant nach Curacao gewechselt, wo wir zu unserer Freude unser Lieblingsrestaurant von 2014 wiedereröffnet vorfanden. Diese Insel ist abwechslungsreicher, hügelig, hat kleine, typisch karibische Strände und selbst das Autofahren macht riesigen Spaß, weil auch kleinere Hügel nicht – wie in Deutschland üblich - eingeebnet sind. Ach ja, apropos Spaß: Auf Bonaire hatte ich einen Pickup einer mir unbekannten Marke erhalten – der brauchte von 0 – 100 ganze 27 Sekunden. Der Nissan-Pickup, den ich auf Curacao fuhr, schaffte das Gleiche in 7 Sekunden…
Abschließend – Curacao ist einfach paradiesisch, Aruba mehr was für Touristen, die Programm brauchen, und Bonaire für Taucher, die nichts anderes brauchen, als Wasser über dem Kopf (zum Tauchen ist es m.E. geringfügig interessanter als Curacao, da das Riff etwas breiter ist und die Anzahl der Tauchplätze größer). Meine Präferenz ist allerdings klar: Curacao!

Sundown
Inzwischen ist ¨Packen¨ angesagt…
Im Januar 2015 habe ich die Bezirksregierung in Münster sowie meine neue Schule in Nordkirchen aufgesucht, mich vorgestellt und die gesamten Karnevalsferien damit verbracht, die in meiner Wohnung vorhandenen Papiere zu durchforsten.
Meine beiden Katzen haben einen ca. reiskorngroßen Chip (quasi Personalausweis) in den Rücken implantiert bekommen und eine Blutprobe ist entnommen und nach Sao Paulo gesandt worden, um sicherzustellen, dass sie im Juli mit nach Deutschland kommen können.
Unter den Bedingungen einer Haushaltsauflösung fällt die hiesige, extreme Arbeitsbelastung dann nochmals stärker ins Gewicht…
Aber es hat sich gelohnt. Nicht einen Tag lang (na gut, vielleicht 2 oder 3) habe ich es bereut, nach Brasilien gegangen zu sein. Und das bedeutet schon einiges, nach nunmehr 92 Monaten…
Ich denke, ich werde Deutschland mit anderen Augen sehen.
Das Wetter wird mit Sicherheit immer noch genauso unerträglich sein ,wie ich es in Erinnerung habe. Wahrscheinlich wird es für mich noch übler sein, denn seit 8 Jahren versehe ich meinen Dienst oberbekleidungsmäßig nur im T-Shirt... ausgenommen Abiturfeiern, Einladungen im Konsulat, bras. Schulabschlussfeier  u .ä.
Aber den Aspekt der Sicherheit werde ich schätzen…  den wird niemand nachvollziehen können, der nicht in einem extrem unsicheren Land gelebt hat. HIER überlege ich mir, ob ich meine teure Nikon oder doch lieber die einfachere Lumix zum Fotografieren mitnehme, und meine 72er Stratocaster hat in Rio nie die Wohnung verlassen. In Deutschland waren das Gedanken, die mir nie in den Kopf gekommen sind. Wie oft bin ich nachts um 3 oder 4 Uhr von einem Musik-Auftritt mit Instrumenten im Wert vieler Tausend Euro nach Hause gefahren, ohne auch nur ein Mal daran gedacht zu haben, dass ich vielleicht überfallen und ausgeraubt werden könnte.
Trotzdem, es wird schwer werden – sowohl das anstehende Packen, das Verlassen Brasiliens, als auch das Wiedereinleben in Deutschland. Aber die überaus reichhaltigen Erfahrungen, die ich hier habe machen können, möchte ich nie mehr missen und sie werden mir bleiben…

Leguan

Ach ja, und dann war da noch dieser Leguan auf Bonaire, der immer wieder behauptete, gestern hätte hier noch ein Klavier gestanden…

Uwe
Uwes Website

See Uwe Guitar playing!

 
UweBrunn@gmail.com
Ältere Einträge:
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