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Rio de Janeiro, den 08.02.2013

Liebe Freunde!

Nachdem ich in meinen beiden letzten Berichten – schon eeeewig lange = 1 ½ Jahre her!!! - etwas mehr die Kehrseite des hiesigen Lebens beschrieben hatte, folgt heute wieder eine erfreulichere Folge, in der von den unglaublich schönen Seiten dieses wunderbaren Landes berichtet wird:
Nach den Ferien im Juli 2011 war ich am 19.08. mal wieder in Sao Paulo gewesen – erste Vorüberlegungen für das geforderte erste gemeinsame Abitur mit den dortigen 3 dt. Schulen, das 2014 stattfinden soll. Ich finde die Stadt nach wie vor unmenschlich riesig…

Sao Paulo

Die Abiturprüfungen 2011 waren (fast) so erfolgreich wie schon in den Jahren zuvor gewesen – lediglich ein Schüler hatte (erstmals seit nunmehr 5 Abiturjahrgängen) die Prüfungen nicht bestanden.
Im September begann ein neues Programm an meiner Schule – die EAC hatte ein hiesiges Touristik-Unternehmen damit beauftragt, am Wochenende hin und wieder  Wanderungen für die Kollegen und Angestellten der Schule anzubieten, um die Integration zwischen dt. und bras. Lehrern, aber auch zwischen den insges. ca. 170 Lehrern und den 70 Angestellten der Schule zu fördern (eine wunderbare Idee!!!) und ich habe an einigen davon teilgenommen. Sie führten meist in den Floresta da Tijuca, den weltweit größten innerstädtischen Regenwald. Während der Ausflug zum Pedra Bonita am 04.09. noch harmlos war, musste ich bei den Ausflügen zur Agulinha da Gávea (18.09.) und zum Pico da Tijuca (23.10.) schon heftig mit meiner leider zunehmend stärker werdenden Höhenangst ankämpfen, denn den letzten Teil der Strecke musste man schon ein wenig klettern bzw. 110 in den nackten Fels gehauene Stufen emporsteigen – und dass in bis zu 1100 m Höhe. Dafür waren traumhafte Ausblicke immer wieder der Mühe Lohn. Eine weitere Wanderung fand am 11.3. statt – es ging auf den 700 Meter hohen Corcovado.
 
Pico da Tijuca Pico da Tijuca  
   
 
Pedra Bonita
Pedra Bonita    

Bico do Papagaio,

Blick vom Bico do Papagaio 

Blick vom Corcovado

Blick vom Corcovado  

Anfang September und Anfang November war ich wieder für ein verlängertes Wochenende auf die Ilha Grande gefahren, und im Oktober schließlich – erneut bzw. nun schon zum 4. Mal – für eine Woche zum Tauchen nach Fernando de Noronha geflogen. Eigentlich hatte ich mir (wegen der Kosten) vorgenommen, diese wirklich paradiesische Insel damit ein letztes Mal zu besuchen, aber die erlebten Tauchgänge waren derart unglaublich, dass ich schon wieder gebucht habe… Ich muss gestehen, dass ich offenbar süchtig nach dieser Insel bin (für die ich inzwischen auch ein Lied zu komponieren begonnen hatte). Sichtweiten von bis zu 40 m und Wassertemperaturen von 28 Grad (selbst in 30 m Tiefe) sind ist einfach irre!
Bei meinem letzten Tauchgang habe ich beispielsweise beim Abtauchen einen wunderschönen gepunkteten Rochen gesehen, bin durch eine verzauberte Grotten- und Höhlenlandschaft getaucht, und unmittelbar vor dem Auftauchen schwamm links neben mir mal eben so in 3 oder 4 m Entfernung ein ausgewachsener Hai vorbei, den ich gar nicht bemerkt hatte, weil er sich von hinten genähert hatte (que susto = welch ein Schrecken…).  Die Unterwasserlandschaft, die sich mir während des Auftauchens bot, verschlug mir schließlich endgültig den Atem (aber da war ich zum Glück schon wieder oben…).

Adlerrochen

 

Riffhai
gefleckter Adlerrochen  
Riffhai     

Aber das ist nur die eine Seite der Medaille – auf der anderen Seiten hatte meine Schule eine sehr schwere Periode zu überstehen, denn von Anfang November 2011 an hatte sie weder einen stellvertretenden noch einen tatsächlichen Schulleiter, und die von ihnen zu leistenden Aufgaben wurden u.a. auch auf meine Schultern verteilt – Leitung der Versetzungskonferenzen, eine sehr schwierige Entlassungsentscheidung, Vorbereitung des neuen Schuljahres inkl. der Unterrichtsverteilung, Planung und Durchführung einer Einführungsveranstaltung für die neu eingetroffenen Kollegen etc. - Harte Zeiten… Nochmal brauche ich das wirklich nicht…
Seit Anfang März 2012 hat die EAC nun wieder einen neuen stv. Schulleiter und  eine neue Schulleiterin hat Mitte April ihren Dienst antreten. Damit aber keine Langeweile aufkommt, bin ich (neben meiner Unterrichtstätigkeit und meiner Funktion als Oberstufenleiter) damit beauftragt worden, Absprachen mit den 3 deutschen Schulen in Sao Paulo zu treffen, um ab 2014 gemeinsame Abiturprüfungs-Vorschläge abfassen zu können, und bin diesbezüglich am 20.03., 17.04. und zuletzt am 6.12.2012 mal wieder (inzwischen das 10. Mal???) nach Sao Paulo geflogen.
Doch zurück zum Jahr 2011: Mitte Dezember gab es endlich wieder Ferien und ich bin – wie bisher jedes Jahr – nach Deutschland geflogen, um meine Eltern und einige Freunde zu besuchen. Letztere sind leider ziemlich auf der Strecke geblieben, denn ich war zu erschöpft, um all die besuchen zu können, die ich gerne wieder gesehen hätte. SORRY!
Ich blieb bis zum 5. Januar und flog dann von Rio aus nach Salvador de Bahia, um von dort aus mit einem Boot auf eine Insel bzw. zu dem Ort Morro de São Paulo zu fahren (liegt ca. 1500 km nördlich der riesigen Stadt Sao Paulo und hat mit ihr nichts zu tun) . Wunderschöne Strände, aber (sichtbedingt) quasi keine Tauchmöglichkeiten, obwohl mir dies vorher zugesichert worden war. Nun weiß ich, was ich vorher schon zu wissen glaubte – wie ätzend ein reiner Strandurlaub sein kann… Zum Glück hatte mir mein Bruder Jürgen zu Weihnachten einen postkartengroßen  (bzw. -kleinen), elektronischen Book-Reader besorgt. Obwohl ich alte, ledergebundene Bücher über alles liebe, bin ich von diesem Teil völlig begeistert. Vor allem, wenn man verreist und nicht 5 Bücher mitschleppen kann, ist das Teil einfach klasse.
Der Ort Morro de Sao Paulo ist  - wie die Ilha Grande – autofrei, was erst einmal toll ist. Allerdings waren ca. 95 % der Personen, die dort waren, (argentinische) Touristen, mit denen mir die Verständigung natürlich schwer fiel. Außerdem bevorzuge ich gemischte Bevölkerungen, wie es in Brasilien (dem Land mit der am meisten gemischten Bevölkerung der Welt) eigentlich normal ist. Das ist einfach spannender…  Die Strände in Morro de Sau Paulo sind von 1 – 4 nummeriert, und je weiter man sich vom Ort entfernt, desto entlegener sind sie. Am Strand Nr. 3 traf ich nur noch wenige, an Nr. 4 keine Menschen mehr, kein Restaurant, kein Kiosk, nur Palmen, Sand, Meer und Sonne - es war unglaublich…
Eine schlüpfende Zikade, die ich ½ Stunde lang knieend beobachtete und fotografierte, eine Boa constrictor, die mir ein Einheimischer (direkt über mir!!!) zeigte, eine traumhafte Pousada mit einem freundlichen deutschen Besitzer (der in den 70er Jahren mal in Deutschland mit Gary Moore in einer WG zusammen gewohnt hatte), das alles waren kleinere Ereignisse, die mir auch diesen Urlaub unvergesslich gemacht haben. Vor allem auch die fast einen Meter große Echse, die plötzlich an mir vorbeimarschierte, während ich vor dem Chalet, in dem ich wohnte, ein wenig klassische Gitarre spielte…

Boa constricto

 

Echse
Boa constrictor  
Echse    

Cigarra

 

 

Maler
Cigarra = schluepfende Zikade
Maler    

Strand 4

 

Auf der Rückfahrt habe ich in Salvador de Bahia gegessen: Peixe tropical (Fisch auf  tropische Art) – Fisch, gebackene Bananen, Rosinen, Zwiebeln, Mango, Papaya, Ananas und Reis. Wow, mega-lecker!!! Unvorstellbar, wenn man das noch nie gegessen hat!

 

Im Februar 2012 begann das neue Schuljahr, und nur kurz danach gab es schon wieder Ferien – die einwöchigen Karnevalsferien. Da ich dieses Mal in Rio geblieben bin, habe ich mich ein wenig in den hiesigen Straßenkarneval gestürzt und viel Spaß gehabt, wie einige der Bilder vielleicht widerspiegeln mögen.

 

 
Peixe tropical 2

Affe

 
Wuerstchen
Trommler  
Cerveja

Gruppe

Wasserwerfer
Corco Fels mit Kette
 
Am 11.03. gab´s eine erneute Exkursion auf den Corcovado. Wenn man sich die Seite von Botafogo aus ansieht, glaubt man es nicht, dass das möglich ist, denn die Felswand geht fast senkrecht 700 m in die Höhe. Auf der anderen Seite (180 Grad entgegengesetzt) kann allerdings eine Zahnradbahn (mit z.T. schwindelerregenden Aussichten) den Corcovado erklimmen. Quasi 90-Grad von der Steilwand entfernt verläuft der ¨Wanderweg.¨ Auf 2100 m Strecke muss man 700 Höhenmeter zurücklegen, also 1 m Höhe pro 3 m Strecke, wenn ich richtig gerechnet habe... Das ist schon richtig heftig!!! Dazu kommt, dass die Gegend nicht ungefährlich ist, denn wenige Tage später ist ein alleine wanderndes Mädchen tödlich abgestürtzt, weil sie vom richtigen Weg abgekommen war.
 Corcovado: Fels mit Kette als Kletterhilfe    

Nach nunmehr 5 Jahren (!...) ist es mir Anfang März  erstmals gelungen, direkt vor Rio de Janeiro zu tauchen. Sucht man im Internet, so findet man nur Buzios, die Ilha Grande, Cabo frio, aber eben nicht Rio. Über meinen Freund und Grundschulleiter der EAC bekam ich Kontakt mit der Mutter eines Schülers, und sie lud mich zu einem Tauchausflug ein. Nun verstehe ich, weshalb im Internet nichts über ¨Tauchen in bzw. vor Rio¨ zu finden ist: Während wir zu Jahresbeginn ca. 10 Wochen lang kontinuierlich 30 - 35 Grad im Schatten haben (göttlich!!!, allerdings ging da selbst mir allmählich die Puste aus…), betrug die Wassertemperatur knapp 15 Grad… Selbst den Fischen schien es zu kalt gewesen zu sein, denn von ihnen war keine Spur zu sehen.
Trotzdem – die Crew war klasse, wir haben an Bord gegrillt und jede Menge Spaß gehabt. Das wird nicht mein einziger Ausflug hier gewesen sein…

Tatsächlich bin ich vom 27.04. – 30.04. wieder mit der Crew Tauchen gewesen, allerdings über 1000 km nördlich von Rio. Per Bus… Was sich auf den ersten Moment schrecklich anhört, erwies sich als harmlos: Wir reisten in Liegebussen (1 Platz auf der rechten Seite, zwei Plätze auf der linken Seite des Ganges und so viel Beinfreiheit, dass man seinen Sitz so stellen konnte, dass man fast waagerecht liegen konnte). Hätte ich 10 cm weniger gehabt (was in Brasilien mehr als die max. Größe ist), dann wäre es sogar richtig bequem gewesen. Trotzdem – ich konnte die Nacht über gut schlafen, und anschließend ging es 3 Stunden lang per Boot zur Inselgruppe Abrolhos, wo wir 3 Tage im Boot verbrachten, tauchten, eine Insel betraten, auf der die brütenden Vögel keinerlei Angst vor uns hatten, und wo wir uns nach der Rückkehr auf dem Boot immer kulinarisch auf´s köstlichste verwöhnen ließen… (nächstes Jahr wieder? Na klar!!!).

Cata Sonnenuntergang

 

Vogel
Catamaran vor Sonnenuntergang  
Vogel und Palmen   

Morgens

Cylindro  
Frado
Cylindro  
P. frado   

Nach einer Wanderung auf den Morro da Urca (Vorberg vor dem Zuckerhut) stand vom 06.-08.07 eine der schönsten Wanderungen Brasiliens an: Auf der Hochebene Serra dos Orgaos – ca. 90 km nördlich von Rio und in über 1000 m Höhe gelegen. Zwar hatte ich mitunter heftig mit meiner Höhenangst zu kämpfen, aber die Aussichten waren schlichtweg vollkommen atemberaubend!

Not on this earth

Sonnenaufgang

Morgenstimmung

Unmittelbar danach standen die ¨Winterferien¨an, die mich nach Fortaleza im Norden Brasiliens sowie (300 km entfernt) nach Jericoacoara (¨wo die Krokodile schlafen – heute zum Glück nicht mehr…) geführt haben – einem Stranddorf, in dem es nur Straßen aus Sand gibt, so dass ich meine Schuhe 3 Tage lang in der Pousada gelassen habe. Und mein Herz habe ich auch irgendwo dort gelassen… genauer gesagt bei einer jungen Brasilianerin afro-portugiesischer Abstammung aus Sao Paulo namens Jacira… Wir haben uns zwar hinterher nochmals in Rio getroffen, ich bin zum Geburtstag ihrer Mutter nach Salvador geflogen und am 21.09. haben wir in Rio gemeinsam eine Wanderung auf den Alto do Moraou bei Niteroi unternommen,  aber da sie leider derzeit wieder 9 Monate lang auf einem ital. Kreuzfahrtschiff arbeitet, haben wir da so ein kleines Problem… Zum Glück kreuzt das Boot derzeit vor Brasilien, und so konnten wir uns am 16.12. und 2 Mal im Januar 2013 zumindest für ein paar Stunden wiedersehen.

Fortaleza
   

Fortaleza   

Tres Praias  

Vollbresmung

Tres Praias  
Lagostas  
Jacira
Jacira   
Paeule  

Fortaleza ist zwar auch eine Millionenstadt, aber welch ein Unterschied zu der Hektik von Rio… Keine Verkehrsstaus, keine hupenden Autos, und als ich einmal auf einem Bürgersteig am Strand spazieren ging und anhielt, kam der plötzlich Verkehr völlig zum Erliegen!... Weshalb??? Ich war an einem Zebrastreifen stehen geblieben!
In Rio ist so etwas völlig unvorstellbar. Da hat ein Zebrastreifen nicht die geringste Bedeutung…
Nach den Ferien gab es einen schrecklichen Vorfall in der Schule – völlig unerwartet starb plötzlich mit 56 Jahren der bei allen Schülern über alles beliebte ¨Inspector¨ (eine Art Hausmeister) - meines  Oberstufen-Traktes Luis Claudio. Auch ich habe immer sehr gerne mit ihm zusammengearbeitet – es ein schwerer Verlust für die Schule, den ich noch immer nicht habe verarbeiten können…

Ende August standen dann (ich arbeite tatsächlich auch in Brasilien…) mal wieder die schriftlichen Abiturprüfungen an, erneut vollkommen von mir alleine organisiert, da die – sehr gute – neue Schulleitung sich erst noch einarbeiten muss). Am 02.09. gab´s eine erneute Wanderung auf den Corcovado (dieses Mal mit Rückweg – nie wieder!!!! – nächstes Mal nehme ich wieder die Bahn für den Abstieg… das war schlichtweg zu steil), dann einen Besuch von 2 langjährigen, lieben Musiker-Freunden (Willibald und Hans-Georg Knüwer) für eine Woche, die hoffentlich nicht zu sehr unter meinem ¨Touristen-Programm¨ leiden mussten (nur für Hardliner geeignet… das ist schon heftig, aber dafür kann man hinterher auch viel erzählen…), und Anfang Oktober ging es zum 5. Mal (wer meine Berichte gelesen hat, wird es erahnen) auf die Insel Fernando de Noronha

Paeule also in love...    

Ich wage es ja kaum zu schreiben, denn die meisten Brasilianer, die ich kenne, haben es sich noch nie in ihrem Leben erlauben können. Fernando de Noronha ist einfach traumhaft, aber leider auch sündhaft teuer... Höhepunkt war zweifellos ein Tauchgang auf 60 m Tiefe, eine regelrechte Expedition, deren Mitglieder aus insgesamt 3 Tauchern und 4 Helfern bestand. Letztere wurden u.a. dafür benötigt, dass sie uns bei dem 30 Minuten dauernden Auftauchen unterwegs neue Flaschen  mit einer speziellen Gasmischung brachten, denn in 60 m Tiefe verbraucht man aufgrund des dort herrschenden Drucks von 7 bar (an Land 1 bar) enorm viel Luft und das Blut wird dadurch gefährlich stark mit Gas angereichert.
Ein anderer Höhepunkt für mich bestand in dem Moment, in dem ich abends am Strand erstmals das Stück auf der klass. Gitarre gespielt habe, das ich mehr als ein Jahr lang für die Insel geschrieben hatte… Es war ein ergreifender Moment, dieses Stück an dem intendierten Ort spielen zu können…

Corvetta
 Noronha  
 Wahrzeichen Noronhas, die dois irmaos (zwei Brueder)  
 
Corveta Ipiranga V
Corveta Ipiranga V 17 in 60 m Tiefe  

Ende Oktober fanden die mündlichen Abiturprüfungen statt – wie immer die härteste Zeit für mich, und das zum Ende des Schuljahres, wo eigentlich jeder schon ¨auf dem Zahnfleisch geht¨…
2 Wochen lang 80 Stunden pro Woche, heißt, jeden Tag von 7 – 22 oder 23 Uhr arbeiten...
Aber es hat sich wieder ausgezahlt, das Abiturergebnis war klasse!!! Und danach gab´s die Abiturfeier bzw. Zeugnisübergabe, eine Einladung der Eltern der Abiturienten, eine Einladung zur Formatura (bras. Schulabschlussfeier), eine weitere durch die Schüler, und ich hatte „meine Chemiker“ (d.h. die Schüler, die schriftlich oder mündlich in Chemie geprüft worden waren) auch noch zu einem ¨Pizza-Schlachten¨ eingeladen.
Folge des Jahres 2012: 4 kg zu viel…
Mas: Foi vale a pena – Aber: Es war der Muehe wert!!!
Vom 15. – 20.11. gab es dann ein weiteres, absolutes Highlight:  Ich habe (zum größten Teil mit der Mannschaft, die auch schon bei der Wanderung im Juli dabei gewesen war, die Ilha Grande, die ¨Grosse Insel¨ 190 km suedlich von Rio, 6 Tage lang zu Fuß umrundet.
Ich muss gestehen, dass diese Wanderung genauso gewesen war, wie Brasilien insgesamt ist: Extrem gegensätzlich!!! Einerseits war ich mitunter wirklich kurz davor gewesen, aufzugeben (17 kg Gepäck, am ersten Tag 6 Std. Dauerregen mit der  Aussicht auf 5 weitere Tage Regen, den ganzen Tag lang bei jedem Schritt Schmerzen im linken Fuß, eine 3 kg schwere Nikon, die unbequem in einem wasserdichten Beutel vor meiner Brust baumelte  etc. etc.), andererseits war sie einfach nur einzigartig und klasse gewesen, nicht zuletzt wegen der Crew (14 Personen + 3 excellente Guides, u.a. mein Freund und irmao Felipe Rocha)!

 
 
Abfahrt
Das Wahrzeichen der Insel: Weshalb soll man nicht mal wo anders hin wachsen…?  
Abfahrt

Nach regem Bilderaustausch via Facebook haben wir uns eine Woche später zum Grillen im Floresta da Ticuca getroffen (dem schon erwähnten größten innerstädtischen Regenwald der Welt – alleine die Anfahrt hatte eine Stunde gedauert… Rio ist halt groooooß…). Einen Tag später gab´s dann dort wieder eine von der Schule organisierte Wanderung mit Felipe, wobei es schwerpunktmäßig um kulturelle Aspekte des Florestas ging.

Vom 7. - 9.12. gabe es die letzte Wanderung des Jahres – wir fuhren ca. 3 Std. lang Richtung Norden nach Sana bei Nova Friburgo, um dort in der Nacht vom 8. auf den 9.12. um Mitternacht beginnend auf einen Berg zu steigen und dann dort den Sonnenaufgang zu erleben. Leider wurde wetterbedingt nichts daraus, aber wir haben wunderschöne Wasserfälle gesehen, mehrfach in einem Gebirgsbach gebadet, ich habe mit einer prof. bras. Sängerin abends am Lagerfeuer Musik gemacht und alles war derart harmonisch, dass wir uns 4 Tage später in Rio beim ¨amigo oculto¨ wiedergetroffen haben: Man zieht einen Namen, muss für diese Person ein Geschenk besorgen und vor der Übergabe des Geschenkes die Person so beschreiben, dass sie von den anderen erkannt wird.

 

                    Brasilianerinnen können manchmal ganz schön temperamentvoll sein… Dann wird selbst ein Churrasco (Grillfete) zum Abenteuer…
 

Im Dezember 2012 ging´s wieder – wie üblich – nach Deutschland. Das 13. bzw. 14. Mal über den großen Teich. Jedes Mal strapaziöser… Aber immer wieder auch schön, die Eltern, den Bruder und die engsten Freunde wiedersehen zu können.  Die fehlen mir, aber das ist halt der Preis (einer der Preise…) die ich für mein Leben in Brasilien zahlen muss…

Nach der Rückkehr habe ich 2 Wochen Urlaub in Bombinhas gemacht, 1000 km südlich von Rio. Die Bedingungen zum Tauchen waren nicht besonders gut, aber dafür hat man mich alleine losziehen lassen (ist zwar eigentlich verboten, aber bei Tiefen von max. 10 m völlig ungefährlich gewesen, denn von dort aus kann man im Falle eines Problems schnell gefahrlos auftauchen), und so konnte ich 8 Tauchgänge im Zustand völliger Schwerelosigkeit und (fast) völliger Stille - man muss ja mal atmen - allein genießen…
Puuuh… das war mehr als heftig, 1 ½ Jahre zusammen zu fassen und die Fotos dafür herauszusuchen. Noch schlimmer war die Gestaltung eines Fotokalenders für 2013 für meine engsten Freunde und Arbeitskollegen im letzten Dezember gewesen. Neben der Aufgabe, aus ca. 10.000 Fotos die besten 12 heraus zu suchen trieb mich die Übermittlung der Daten nach Deutschland zwecks Druck  schlichtweg zum Wahnsinn… Na gut, es soll Leute geben, die behaupten, ich wäre selbigem auch vorher schon verfallen… Lassen wir das Thema.
Zum Abschluss ein paar Bilder, die die ¨Endausscheidung¨ gewonnen hatten, zusammen mit dem Versprechen, den nächsten Bericht endlich wieder früher in Angriff zu nehmen, spätestens Ende des Jahres, denn…
...esta vez simplesmente foi demais (dieses Mal war´s einfach zu viel)…

Flagge vor Christo
Wasserpflanzenblatt
Flagge vor Christo  
Wasserpflanzenblatt
Vista Chinesa
Vista Chinesa   
Sonnenuntergang hinter dem Corocovado
Sonnenuntergang hinter dem Corocovado   

Nun habe ich gut 1 1/2 Jahre Revue passieren lassen und einiges (…) von dem geschrieben, was ich hier erlebt habe. Mindestens 10 Mal so viel könnte ich darüber schreiben, was ich beruflich habe leisten und erfahren müssen. Aber das ist eine andere Geschichte…
Zu meinem unbeschreiblich großen Glück macht mir die Arbeit fast genau so viel Freude, wie meine Unternehmungen… Wer kann das schon behaupten?

Das letzte, von dem ich berichten kann, ist die Aufnahme des Songs ¨The Loner¨ in meinem hiesigen Studio in Rio/Botafogo in der Nacht zum 06.02. - einer Ballade von Gary Moore, die mir angemessen erschien, um sie als Hommage zu seinem ersten Todestag zu veröffentlichen. Er war zweifellos einer der besten Gitarristen der Welt und er fehlt mir sehr…
http://www.uwebrunn.com/app/download/6542118554/01+Faixa+1.mp3?t=1360176633
(Auf meiner Seite gibt´s auch noch ¨Walking by myself¨ und ¨Oh, pretty woman¨ sowie „Still got the Blues“ von ihm bzw. mir).

R.I.P.

Uwe

 

 

Uwes Website

See Uwe Guitar playing!

 
UweBrunn@gmail.com
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Uwe während der FIFI 2010
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