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Rio de Janeiro, den 29.02.2012

Liebe Freunde!                                                     

Bedingt durch ein extrem stressiges Schuljahr bin ich erst jetzt dazu gekommen, die Zusammenfassung meiner Erlebnisse während der Juli-Ferien 2011 fertigzustellen. Aber diese Erlebnisse waren so derart anders, dass ich sie Euch nicht vorenthalten möchte.

Nachdem mein letzter Bericht (über die Favela Dona Marta) schon völlig aus dem Rahmen gefallen war, weil er eben nicht dem Urlaubs-Klischee Brasiliens entsprach, wird der diesmalige Bericht  insofern noch ungewöhnlicher ausfallen, als Bilder und Text überwiegend nicht zusammenpassen werden. Die Bilder werden für sich sprechen, zum Text habe ich aus Respekt vor den Betroffenen oder aber auch aus Angst vor dem Verlust (nicht nur) meiner Kamera  dagegen (fast) keine Bilder gemacht.

Das Halbjahresende war turbulenter als jemals zuvor, denn neben den üblichen, blutdruckerhöhenden Vorkommnissen wie Aufstellen der Abiturvorschläge (dieses Jahr wieder in Biologie), Einsammeln und Überprüfen der Vorschläge aller Kollegen und Versenden zum Ministerium in Deutschland, dem Ermitteln der Zeugnisnoten und dem Vorbereiten und Abhalten der entsprechenden Konferenzen (seit diesem Jahr stehen aus schulinternen Gründen neben der kompletten Oberstufe auch noch die beiden Klassen des Jahrgangs 9 unter meiner Verwaltung), musste ich am 14.7.  für 4 Tage nach Sao Paulo fliegen, um mit Fachkollegen der anderen dt. Schulen in Brasilien, Argentinien, Uruguay und Chile den Lehrplan in Chemie zu überarbeiten, weil ab 2014 eine Art südamerikanisches Zentralabitur durchgeführt werden soll. Direkt in der darauf folgenden Woche flog ich zu einer Tagung aller Schulleiter und Stellvertreter(innen) Brasiliens nach Recife, um dort organisatorische Details für dieses Vorhaben abzustimmen und am 19.08. ging es aus dem gleichen Grunde wieder nach Sao Paulo – wird halt nie langweilig...

Womit wir mal das Thema wechseln – von der Arbeit zu den Ferien, und die gab´s ab der zweiten Juliwoche – und damit nach nunmehr 4 Jahren leider auch einen heftigen Perspektivwechsel in Sachen Brasilien.

Aber eigentlich begann der bereits am 17.07.
1.) Ich kann ja nun wirklich nicht sagen, dass mein Leben hier bisher nur aus Langeweile und Routine bestand, aber richtig spannend wurde es an genanntem Datum: Ich war mit 3 Kolleg(inn)en in Sao Paulo im Taxi auf dem Weg zum Flughafen. Unterwegs hatte ich schon ein paar Fotos gemacht, und als wir an einer Ampel halten mussten, machte ich noch eines (mit Teleobjektiv!) von einem Haus in ca. 30 m Entfernung, das auch den hier stets präsenten Gegensatz zwischen Hochhäusern und vornehmen Wohngebieten einerseits und  Favelas / Armut andererseits festhalten sollte. Dabei übersah ich den Jugendlichen, der ganz links im Bild zu sehen ist. Wenn ich Personen fotografiere (so wie z.B. den Dosensammler in meinem letzten Artikel), dann pflege ich üblicherweise vorher zu fragen, aber bei der Entfernung? Und ich hatte ja ohnehin nur an dem Haus Interesse.

Draga  
Sowie ich das Foto ¨im Kasten¨ hatte, wechselte der Jugendliche vor dem Haus die Straßenseite und bückte sich. Obwohl ich eine derartige Situation noch nie erlebt hatte, wusste ich schlagartig, was passieren würde (seit einiger Zeit kann ich Situationen, die brenzlig werden, quasi ¨riechen¨ und bisher konnte ich immer vorher adäquat reagieren. Aber hier war es zu spät.) Wie vorausgesehen, bückte sich der Jugendliche nach einem Ziegelstein und kam damit – und eindeutig nicht mit den besten Absichten – auf das Taxi zu. Dank der Hilfe des Taxifahrers, der uns immer wieder als einfache Touristen ausgab, konnten wir unbeschadet davonfahren (allerdings tadelte er mich leicht ob meiner auf portugiesisch vorgebrachten Entschuldigungsversuche – sie hätten sich nur schlecht mit dem von ihm beschriebenen Touristenstatus für uns vertragen…).  Als wir weiterfuhren, berichtete der Taxifahrer, dass die Gegend, die wir gerade durchquerten, sehr berüchtigt sei, dass es vorkomme, dass ihm bzw. seinen Fahrgästen an Kreuzungen, an denen er halten müsse, vom Bürgersteig aus Drogen angeboten würden, und dass der Jugendliche, der offenbar völlig ¨zugedröhnt¨ und evtl. ein Dealer gewesen sei, vermutlich Angst gehabt habe, mit Hilfe des Fotos ausfindig gemacht bzw. Identifiziert  zu werden. Damit fing´s an…
Que droga! (droga = Droge, Rauschgift; que droga = so ein Mist!)    

2.) Am 11.7.  flog ich nach Maceio (3 Mio EW), um dort Ferien zu machen und meine damalige Freundin Joelma zu besuchen. In der ersten Woche wohnten wir in einem Apartment direkt am Strand (es goss 2 Tage in Strömen). Als wir am 14.7. gegen 11 Uhr ins Stadtzentrum fuhren, warnte sie mich davor, dass es dort sehr gefährlich sei. Ich konnte es kaum glauben, wusste ich doch von Rio, dass das Zentrum einer Stadt nur dann gefährlich ist, wenn die Geschäfte geschlossen sind und es dann dort leer ist (Schaufensterbummel sind in Rio nicht möglich, da bei Geschäftsschluss alle Fenster mit eisernen Rolläden verschossen sind). Als wir ankamen, musste ich meine Meinung ändern: Die Rolläden aller Geschäfte waren heruntergelassen worden, die Menschen standen in angespannter Atmosphäre auf den Straßen, man sah Straßensperren aus Verkaufskarren und brennenden Autoreifen und eine Demonstration, die – wie wir abends in den Nachrichten erfuhren – sich gegen die Schließung eines nicht offiziell genehmigten Geschäftes richtete, zog vorbei. Ich bin es inzwischen gewohnt, dass ich überall sofort als ¨Gringo¨ auffalle, zum einen wegen meiner Physiognomie und Hautfarbe, vor allem aber wegen meiner Größe (ich habe in den vergangenen 4 Jahren nur vielleicht 4 oder 5 Personen gesehen, die mich überragten – meist werde ich als Amerikaner ¨gehandelt¨) und es stört mich überhaupt nicht mehr, zumal meine Fremdartigkeit meistens eher Interesse als Ablehnung hervorruft, aber ob eine aufgewühlte Menschenmenge sich ähnlich verhalten würde??? Von daher, lieber nichts als weg… Als wir in einem Taxi zurückfuhren, kamen uns Polizeiwagen entgegen, aus deren Fenstern Maschinengewehre ragten und denen etliche Krankenwagen mit ¨Blaulicht¨ (hier: einer flackernden Abfolge weißer und roter Lampen auf dem Dach und an den Seiten, gepaart mit einer tonal ständig wechselnden Sirene) folgten. Wir waren froh, weggekommen zu sein.

Leuchtturm
Maceio
Leuchtturm von Salvador im Stadtteil Barra

Nach einer Woche in Maceio quartieren wir uns 40 km südlich davon in der Pousada eines Norwegers an der Praia dos Frances ein, einem beliebten Strand, dessen Name daher rührt, dass die Franzosen früher von hier aus das Holz des berühmten Pao Brazil nach Europa schmuggeln ließen.

Praia dos Frances 1   Praia dos Frances 2
Strand-Snack: 6 Hummer fuer 8 Euro  
Praia dos Frances

Ich wollte tauchen, hatte bereits von Rio aus e-mail-Kontakt mit der Basis aufgenommen, erste Ausflugsangebote erhalten und mich abends sofort in der Basis eingefunden, wo man mir mitteilte, zwar nicht am nächsten Morgen ausfahren zu können, sich aber telefonisch in der Pousada zu melden, um mir mitzuteilen, wann Tauchgänge möglich seien und man mich morgens abholen würde. Dabei blieb es dann… In Europa hätte ich mich beschwert, insgesamt 4000 km geflogen zu sein, um tauchen zu wollen und es dann nicht zu können, aber hier ist halt so manches anders. Und vor dem Hintergrund der anderen Erlebnisse auch nebensächlich…

Der Rueckflug von Maceio geht stets ueber Salvador, der Hauptstadt des Bundesstaates Bahia. Diese Stadt ist – mehr als jede andere Stadt Brasiliens – geprägt durch afrikanische Einflüsse, denn hier endeten früher die meisten der zahllosen Sklaventransporte nach Brasilien.

 
Praia dos Frances3
Salvador Blaue Kirche  

Die Stadt ist berühmt für ihr pulsierendes (Nacht)Leben, ihre Musik und ihre Lebendigkeit. Ich hatte im Internet eine bezahlbare Pousada ausgemacht, die direkt am Rand, nur ca. 300 m entfernt, von der faszinierenden Altstadt Pelourinha entferntliegt. Aber die hätten es laut Auskunft des Taxifahrers, der uns vom Flughafen dorthin brachte, in sich…  Viele Straßenkinder und dementsprechend viele Überfälle. Um zumindest das abzukürzen – auf dem Weg in die Altstadt sind wir nicht überfallen worden, aber Joelmas Angst war zumindest so groß, dass sie es am ersten Abend nur wagte, bis zum ersten Restaurant zu gehen um nach dem Essen sofort umzukehren, so dass ich ab 21 Uhr nur von der Pousada aus mit ¨Magengrummeln¨  der brodelnden musikalischen Musikkulisse lauschen konnte – wie gerne wäre ich dorthin gegangen...

Salvador - Blaue Kirche    
Salvador von Pousada aus
Salvador von der Pousada aus
Salvador von Pousada aus 2

Der nächste Tag (Sonntag) war klasse – die Altstadt von Salvador ist faszinierend!!! Eigentlich bevorzuge ich es, eine Stadt nach dem Gefühl heraus zu erkunden, anstatt vorher schon einen dezidierten Besichtigungsplan zu entwerfen, aber in diesem Fall hatte ich nach vorherigem Studium des Reiseführers, den mein Bruder Jürgen mir im Juli 2007 mit auf die Reise gegeben hatte, vorgenommen, die ¨goldene Kirche¨ Sao Francisco  zu besichtigen. Das war auch mit einigen Umständen möglich gewesen. Im beeindruckenden Kreuzgang dieser Kirche  irritierten mich einige neu gemauerte Pfeiler und ich fragte einen ¨Bauarbeiter¨, ob diese auf Dauer errichtet worden seien oder nur für eine kurze Phase der Restaurierung der übrigen Bausubstanz.

Meine Nachfrage stieß offenbar auf Verwunderung, denn im Anschluss an die Beantwortung meiner Frage (die Pfeiler seien nur temporäre Hilfskonstrukte) erhielten wir eine lehrreiche, 1 ½ stündige Führung – der ¨Bauarbeiter¨ entpuppte sich als Professor der Kunsthistorik…

Anschließend dann die Sensation: Es gibt in Salvador einen ¨Bloco¨ (in plattestem Deutsch: Eine ¨Karnevals-Bigband¨), der weltberühmt ist, normalerweise jeden Dienstag-Abend in Salvador auftritt (da wären wir schon wieder weg gewesen), aber an diesem Sonntag abends in der Altstadt auftrat. Wir besorgten uns Karten - und es war unglaublich!!! Die härteste Hardrock-Band der Welt dürfte verdammt alt aussehen gegen diese Gruppe (mit Namen Oludum)  von ca. 30 bis 40 kraftvollen und perfekten Percussionisten und ihrem (wechselnden) Sänger. Nichts mehr - kein Bass, kein Keyboard,  keine Bläser, nicht mal eine Gitarre  - und trotzdem fand ich es unglaublich, das dürfte alles klar machen…

3.) Leider kam es danach zum Fiasko. Auf dem Weg zur Pousada kamen wir an einem Straßenfest vorbei, dem wir einige Zeit beiwohnten, obwohl ich Raggae-Musik eigentlich nicht unbedingt favourisiere, aber zu dem hiesigen Klima passt sie einfach.

 
Goldene Kapelle
   
Salvador: Goldene Kapelle

Gegen 23 Uhr meinte die Policia militar (nicht, wie man denken mag,  mit  Militärpolizei, sondern besser mit ¨militarisierte = schwer bewaffnete Poilzei, uebersetzt) dann, eine Razzia durchführen zu müssen. Vermute, sie suchten nach Drogen und Waffen. Nun hatte ich natürlich beides nicht bei mir und hätte von daher beruhigt sein können, aber neben mir standen noch 10 andere Männer, wie ich selber, mit dem Gesicht zur Wand, Arme und Beine gestreckt, und ich wusste nicht, wie es a) bei ihnen aussah,  b) wie sie denn reagieren würden, wenn sie nicht ganz so unschuldig waren, wie ich, und c) wie der Polizist, der uns während der Durchsuchung mit einem MG in Schach hielt, reagieren würde, falls einer meiner ¨Nachbarn¨ eine unüberlegte/ hektische Bewegung machen würde.
Prickelnd…
Zumindest nicht alltäglich.
Muss ich aber nicht unbedingt jeden Tag haben…

Salvador nachts 1  
4.) Und dann waren da noch die Erfahrungen mit der Armut in diesem Landesteil. Ich kann anknüpfen an meinen Bericht über die Favela Dona Marta vom Juni. Aber dieses Mal war ich in derartigen Häusern gewesen… Und eigentlich war es weit besser als in einer Favela – die Häuser waren nicht an einem Bergabhang gebaut worden, sondern auf flachem/ebenem Gelände. Es war ein Vorort von Maceio gewesen. Aber nur die Durchgangsstraße war asphaltiert gewesen, alle anderen Straßen regenbedingte Schlammpfade. Die Häuser ohne Verklinkerung, ohne Fenster, innen ohne Türen, Teppiche oder Bilder... Dennoch – die Menschen waren freundlich, boten mir stets zuvorkommend den offenbar besten Stuhl an und machten insgesamt einen zufriedenen Eindruck (ich sah allerdings auch andere ¨Behausungen¨- Hütten, die nur aus Stöckern, Pappe und Plastikplanen bestanden…).
Salvador nachts    

Langer Rede kurzer Sinn -
Auch wenn es immer noch nicht leicht fällt, die ¨Urlaubs¨-Eindrücke zu verarbeiten, so möchte ich sie doch nicht missen, denn mir ist klar geworden, dass das Leben in der Südzone Rio de Janeiros vielleicht gerade mal 5 % des Lebens in Brasilien widerzuspiegeln vermag – und ich war bisher immer auf der Suche nach dem authentischen Brasilien und habe mich nicht zuletzt deshalb nur selten in meiner Freizeit hier lebenden Deutschen angeschlossen.  Die aus diesem Entschluss häufig resultierende Einsamkeit ist ein sehr hoher Preis dafür, aber die dadurch gewonnenen Erfahrungen auch der Lohn, dessentwegen ich u.a. immer noch in Brasilien bin.

5.) Und dann noch das: Es war gerade Samstag, 13.08., 23:00 Uhr. Nach einem Fortbildungsvormittag in der Schule bin ich mit meinem Grundschulleiter und dessen Familie an der Copacabana gewesen – Winter bei 30 Grad, 5 Stunden relaxed (!!!),  erst mal klasse.

Als ich aber auf dem Rückweg um 19 Uhr die Strandpromenade überquerte, lag auf dem Bürgersteig ein 14 jähriger Jugendlicher, der, wie sich später herausstellte, mit seinem Fahrrad einem Kind ausgewichen und dabei gestürzt war (kenne ich doch irgendwo her…). Er litt heftige Schmerzen und hatte sich offenbar den rechten Oberschenkel gebrochen, evtl. auch die linke Schulter.

 

 

Joelma, mit der ich 2011 zusammen war

 
Joe

Ich kniete mich hin, hielt seine Hand mit festem Griff und versuchte mit ihm zu reden, um ihn von seinen Schmerzen abzulenken. Die Umherstehenden bat ich, einen Arzt zu rufen, was ein Mann offenbar auch tat, wenngleich ungewöhnlich lange. Irgendwann traf Polizei ein, die beiden Polizisten stiegen aus dem Auto, standen herum und fuhren wieder fort. Auch der Mann, der mit dem Handy Hilfe gerufen hatte, war inzwischen verschwunden. Menschen kamen, schauten und gingen weiter. Ich äußerte mich zunehmend verärgert (bis ich die Umherstehenden schließlich anschrie), wie lange es denn hier dauern würde, bis endlich Hilfe käme – 30, 35, 40 Minuten?!?!? Inzwischen hatte der Junge so zu zittern begonnen, dass ich ernsthaft um sein Leben bangte. Schließlich versprach ein anderer Mann, die Feuerwehr anzurufen und meinte, sie käme in 15 Minuten. Tatsächlich bestätigten mir später Polizisten der Policia Militar, dass im Falle eines derartigen Unfalls kein normaler Krankenwagen, sondern nur die Feuerwehr gerufen werden könne. Das mag vielleicht die Verzögerung erklären, denn erst nach sage und schreibe einer Stunde traf Hilfe ein…
Ich fuhr mit dem Jungen ins Krankenhaus - ein öffentliches Krankenhaus. Gnade Gott, wer dort eingeliefert wird. Das hat nichts mit deutschen Standards zu tun. Nun verstehe ich, weshalb mir Yonnah immer geraten hatte, stets Dokumente bei mir zu tragen, die mich als Privatpatienten auswiesen und ich werde es beherzigen!!!
Ich blieb, bis Patrick, wie der Jugendliche hieß (er war Freitag von zu hause – zweifellos in einer Favela gelegen – ausgerissen) aus der Röntgenuntersuchung heraus kam. Das Ergebnis war beruhigend: Keine Brüche!
Wir fuhren zusammen per Taxi von dem Krankenhaus, das zwischen Ipanema und Jardim Botanico lag, zurück nach Copacabana, wo er sein Fahrrad holen wollte, und da wir dabei an Botafogo vorbeikamen, stieg ich dort aus, nachdem ich ihm etwas Geld für das Taxi und für Essen zugesteckt hatte, denn schon auf dem Bürgersteig liegend hatte er über Hunger geklagt… Keine Ahnung was er danach gemacht hat, ob er in der Lage gewesen war, mit seinem Fahrrad zu fahren, und vor allem, wohin er gefahren ist… Kurz vor dem Abschied schenkte er mir einen seiner Ringe, die er trug. Es war ein einfacher Modeschmuck, aber ich nahm ihn ein wenig verlegen und gerührt an, wohl wissend, was diese Geste bedeuten sollte.

Aber es muss nicht unbedingt ein ¨zugedröhnter¨ Jugendlicher sein, die Polizei, die einen durchsucht oder die randalierende Demo – auch die (wirklich immer noch sehr faszinierende) Natur kann einen in Atem halten. In meinem  Bericht vom April 2008 hatte ich geschrieben, dass man mir in der Schule zweimal eine Korallenschlange auf den Schreibtisch gestellt hatte, nach dem Motto, ¨der Biologe wird schon wissen, was damit zu machen ist. ¨ Ich hatte mich damals im Internet informiert und erfahren, dass es ca. 70 Arten gibt, von denen einige harmlos, andere aber auch für den Menschen tödlich giftig seien. Vorsichtshalber hatte ich beschlossen, sie als giftig einzustufen und mich entsprechend zu verhalten. 3 Jahre später, am 3.  Juni 2011, erhielt ich überraschend eine Mail eines dt. Mitarbeiters der Welthungerhilfe in Uganda, der  auf der Suche nach einem Foto einer Korallenschlange auf meinen Artikel gestoßen war. Er bestätigte mir, dass es die extrem giftige Form der Korallenschlange gewesen sei…

 
Ring
Salvador comp  

6.) Und dann noch das – der diesjaehrige Strassenkarneval war wieder sehr warmherzig und stimmungsvoll gewesen. Auch in der benachbarten Favela Dona Marta. Es sollte der Abschluss des diesjaehrigen Karnevals fuer mich werden, bei dem ich erstmals meine Kamera mitgenommen und viele schoene Bilder von friedlich und froehlich feiernden Menschen gemacht habe. Aber um 21:15 stieg ein Mann die endlosen Treppen herab, seine mehr oder weniger leblose, ca. 35 jaehrige Frau auf den Armen. Ich rannte zu ihm und half ihm, war aber nach einiger Zeit zu erschoepft, um weitermachen zu koennen. Erst fragte ich die zahllosen Passanten, ob sie helfen koennten, am Ende schrie ich aus Leibeskraeften ¨Sucorro¨ (Hilfe)!!! Alle glotzten, aber niemand half... Das man inmitten einer grossen, froehlichen Menschenmenge so einsam sein kann, hat mich voellig schockiert. Wir erreichten schliesslich einen Polizeiwagen mit Ladeflaeche, der den Mann mit seine Frau sofort zum Krankenhaus fuhr (so dass wir nicht – wie befuerchtet – erst noch auf einen Krankenwagen warten mussten). Ob sie ueberlebt hat, weiss ich nicht, obwohl ich mich spaeter bei der Polizei erkundigt hatte.

Nun aber genug von derartigen Hiobs-Botschaften. Das nächste Mal gibt es wieder etwas von der erfreulicheren Seite Brasiliens mit traumhaft schönen Bildern, von Fernando de Noronha, Morro de Sao Paulo und dem hiesigen Strassenkarneval  – versprochen! Aber, wie ich immer auf die Frage, wie es denn in Brasilien so sei, antworte: Es ist halt extrem gegensätzlich hier, was Bilder und Text widergespiegelt haben dürften...

Salvador    

Tudo de bom para vocês!

Uwe

 

 

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