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Rio de Janeiro, den 07.11.2008

Liebe Freunde!

Kurz nach Fertigstellung meines letzten Berichtes (puh – schon wieder über ¼ Jahr her…) begann das 2. Halbjahr dieses Schuljahres. Das 2. Abitur dieses Jahres warf seine Schatten voraus, denn wegen der auch hier umgesetzten Schulzeitverkürzung stand nach dem Abitur des 13. Jahrgangs nun auch das des 12. Jgs. an. Dementsprechend viel Arbeit lag an: Mitte August wurden die Klausuren geschrieben, ich musste die meiner Biologen korrigieren, dann die Chemie-Klausuren zweit-korrigieren, Unterlagen nach Deutschland schicken und die Vorbereitungen für die mündlichen Prüfungen treffen. Ganz nebenbei natürlich auch noch unterrichten…

Insgesamt gab es so viel zu tun, dass nur wenig Zeit für kleinere Ausflüge blieb, so z.B. am 17.08. an den Fuß des Zuckerhutes , wo man frühmorgens die dortigen Pinselohräffchen füttern kann. Es ist rührend, mit welcher Behutsamkeit sie das dargebotene Futter aus der Hand nehmen.

Anschließend trafen Yonnah und ich uns mit meinem Chef und seiner Familie am Strand von Ipanema – bei der Rückfahrt war die Tür eines Taxis dann allerdings weniger behutsam mit mir – ich erlitt eine üble Quetschung und den Verlust des Nagels des linken Ringfingers. Nach nunmehr 3 Monaten ist er zur Hälfte wieder nachgewachsen. Aber zum Glück hat der Knochen keinen Schaden genommen, was bei der Wucht einer Schiebetür schnell hätte passieren können.

Ein anderer Kurzausflug brachte uns an den ca. 50 km südlich von Rio gelegenen Strand von Grumarie. Nicht die Entfernung war das Problem, sondern die Beschilderung, die generell in Brasilien häufig zu wünschen lässt.

Ich hatte den Strand schon einmal bei meinem ersten Besuch in Rio im April letzten Jahres besucht – er ist wunderschön, nicht überlaufen, aber leider nicht ungefährlich, wie ich mit eigenen Augen sehen konnte: Als ich mir von einem Rettungsschwimmer die Gefahren der dortigen Strömung erklären ließ, musste er plötzlich aktiv werden musste – zum Glück mit Erfolg. Kinder waren in eine Strömung zwischen 2 Felsen geraten und konnten von ihm geborgen werden.
Grumarie

Noch vor dem endgültigen Ende des Abiturs luden die Schüler meines 12. Jahrgangs alle Kollegen am 4.10. zu einem Grillfest (Churrasco) nach Teresopolis ein. Das „Städtchen“ mit 140.000 Einwohnern liegt ca. 100 km entfernt von Rio „in den Bergen“, wie man mir sagte. Hatte ich anfangs immer noch ein wenig hierbei gelächelt, so staunte ich nicht schlecht, als ich die Landschaft dann tatsächlich sah. Beeindruckend schön und ein wirklich starker Kontrast zu den Eindrücken, die ich bisher in Rio, Buzios oder auf der Ilha Grande gewonnen hatte.

Im Oktober haben wir - eine Besonderheit hier – eine Woche „Kartoffelferien“ (ferias da batata) – ausgehend von der in Deutschland üblichen Tradition der Herbstferien. Da andere Schule das nicht haben, kann man während dieser Woche hervorragend Urlaub machen, denn alle Ziele sind relativ wenig gebucht und günstig.

 
Seit einem halben Jahr freute ich mich auf einen Urlaub auf Fernando de Noronha – einer kleinen Insel, die 500 km weit von Recife aus im atlantischen Ozean direkt unterhalb des Äquators liegt und zu den weltweit besten Tauchgebieten zählt – glasklares Wasser mit 30 Grad Temperatur und einer unglaublichen Vielfalt an Flora und Fauna. Also erst mit dem Flugzeug 2000 km nördlich nach Recife und am nächsten Tag weiter auf die Insel.
 
Noronha Pousada abends   Noronha Sancho Bay
     
 
Noronha-Deus Irmaos   Recife
     
 
Yonnah-schnorchelnd

Leider plagten mich schon im Flugzeug so starke Kopfschmerzen, dass ich direkt nach der Landung auf Noronha ins Krankenhaus kam: Diagnose Stirnhöhlenvereiterung! Und was für eine…! Trotz intensiver medikamentöser Behandlung war es mir nicht möglich, auch nur einen einzigen Tauchgang unternehmen zu können. Das tat in doppelter Hinsicht weh…

Recife Küste    

Zum Glück organisierte ein guter Freund von Yonnah, der seit 5 Jahren auf der Insel als Hotelmanager arbeitet, ein abwechslungsreiches Alternativprogramm, und zum Glück konnte ich schon beim Schnorcheln mehr Fische sehen als bei vielen meiner vorherigen Tauchgänge, aber trotzdem – es war schon hart…

 
Goldener Fisch   Tartaruga
 
Rochen   Muräne

 

Eine Woche nach den Ferien fanden dann die mündlichen Abiturprüfungen statt. Wie üblich (allerdings im Mai nicht praktiziert) wurde als Prüfungsvorsitzender wieder jemand vom Kultusministerium aus Deutschland geschickt, dieses Mal jedoch jemand, den wir noch nicht kannten. Das verstärkte die Nervosität bei allen Beteiligten nicht unerheblich. Letztlich lief aber alles gut, wie schon beim ersten Durchgang bestanden alle Abiturienten und mit einer wirklich rührenden Abiturfeier nahm das Unternehmen „2 Abiturprüfungen in einem Jahr“ seinen Abschluss. Nicht vergessen werden darf das 4 Tage später von den Eltern organisierte Grillfest, mit dem sie sich bei allen beteiligten Lehrern bedankten – ein bisher so noch nicht da gewesenes Ereignis. Ausserdem gab es zum Abschluss noch den „Abi-Streich“, bei dem die Abiturienten die Schule für einige Stunden in ein Grusel-Schloss verwandelten. Bedenkt man noch die Tatsache, dass in diesem Jahr mehr Schüler das Abitur bestanden haben, als in 8 zurückliegenden Jahren zusammen, dann kann man nur rundum zufrieden sein. Jetzt liegt wieder „Alltagsarbeit an“ – liegen gebliebene Klausuren müssen korrigiert, neue gestellt und krrigiert werden, und auch das Aufstellen der Zeugnisnoten und das Vorbereiten der entsprechenden Konferenzen zeichnet sich schon am Horizont ab, denn am 17.Dezember wird das Schuljahr hier zu Ende sein – und damit 1 ½ Jahre Brasilien.

   
Flurgespenst
Damit wäre ich beim letzten Thema: Mein Vertrag endet im Januar 2010, d.h. nächstes Jahr im Dezember könnte ich nach Deutschland zurückkehren. Da man aber mit meiner Arbeit hier wohl ganz zufrieden war, steht nächste Woche ein Gespräch an, in dem man mir wohl – für mich zum jetzigen Zeitpunkt etwas überraschend -- ein Verlängerungsangebot machen wird. Mmmmh, keine leichte Entscheidung, wenn ich bedenke, wie sehr sich die Perspektiven hier in halbjährigem Abstand immer wieder deutlich verschoben haben – erst Eingewöhnung, dann sehr viel Arbeit und im letzten halben Jahr leider sehr viel „atmosphärische Störungen“ aufgrund des Verhaltens einiger Kollegen, zu denen ich mich aber an dieser Stelle nicht äußern werde. Was mögen die nächsten beiden Halbjahre bringen? Vor dieser Unsicherheit bereits darüber hinaus zu verlängern, ist wirklich keine einfache Sache. Mir fehlen zudem die Kontakte zu meinen Eltern, meinem Bruder, meinen Freunden und Musikprojekten (allem voran Betaplan) … Andererseits gibt es derzeit aber auch kein wirklich neues Argument, das gegen eine Verlängerung spräche – seit meiner Vertragsunterzeichnung im April 2007 habe ich selbige buchstäblich noch nicht eine Sekunde bereut.

Das Klima, die Landschaft, die Menschen, deren Musikbesessenheit, die Möglichkeiten zum Tauchen, die Arbeit an dieser Schule mit ihren außergewöhnlichen Bedingungen und – ganz klar – meine Freundschaft zu Yonnah – das sind dann letztlich doch alles Argumente, die mich dazu führen werden, zuzustimmen. Ich werde also länger bleiben….

Da war doch noch was – ach ja, wie weiter oben schon angedeutet, werde ich vom 19.-29. mit Yonnah in Deutschland sein. Die kurze Zeitspanne ist darauf zurückzuführen, dass ich zum einen Yonnah nicht zu lange den für sie kaum erträglichen Temperaturen aussetzen möchte, andererseits gerne einmal Sylvester in Brasilien verbringen möchte (allerdings habe ich den Plan aufgegeben, diesen Abend an der Copacabana zu verbringen, wo einige Mio., ganz in weiß gekleidete Menschen das neue Jahr begrüßen werden – es soll schlichtweg unerträglich voll sein, und was das heißt, hatte ich zur Karnevalszeit schon einmal erlebt). Ich werde es aus diesem Grund sicherlich nicht schaffen, wie im letzten Jahr mit dem Wagen alle zu besuchen und muss von daher fragen, wer Interesse an einem Treffen hätte, damit ich entsprechend planen kann. Bereits fest stehen ein Konzert in Haltern am 27.12., auf das ich mich ebenso freue, wie ein Besuch bei Freunden in Köln.

Até logo, meus amigos!

Uwe

 
     
NEU: Uwes Website  
ubrunn@eacorcovado.com.br
 
Ältere Einträge:
Bericht vom 22. Dezember 2007
Bericht vom 11. November 2007
Bericht vom 19. August 2007
Bericht vom 20. Juli 2007
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