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Rio de Janeiro, den 15.04.2008

Liebe Freunde!

Es ist schon wieder (viel zu) lange her, seitdem ich mich gemeldet habe - inzwischen schon ganze 4 Monate. Dabei hatte ich mir vorgenommen, mich monatlich zu melden… Ich koennte Besserung geloben, aber ich glaube, dass ich das nicht schaffen werde… Ich will, kann und darf mich nicht beklagen, denn ich habe fast alles erreicht, was ich mir vorgenommen hatte: Ich bin wieder Oberstufenleiter, eine Taetigkeit, die ich in den letzten 7 Jahren sehr gerne ausgeuebt habe (die aber auch mit einer Menge zusaetzlicher Arbeit verbunden ist…), ich habe einen excellenten Gitarrenlehrer (der mich ganz schoen trietzt), gute Kontakte zu brasilianischen Profimusikern, mit denen ich schon etliche spannende Sessions habe machen koennen, habe eine gute Portugiesisch-Lehrerin (die mich auch an´s Arbeiten kriegt) und ausserdem etliche liebe brasilianische Freunde, die mich – so mein Eindruck – offenbar gerne ¨weiterreichen¨, so dass ich wirklich nicht ueber Langeweile klagen kann…

 
Session
Session

Ich musste mich dazu zwingen, mich hinzusetzen und endlich mal wieder etwas zu schreiben, und wie es so ist, wenn man dann erst mal anfaengt…

Bevor ich aber beginne, moechte ich zunaechst mein tiefes Bedauern ueber den Tod von Bernd´s Mutter zum Ausdruck bringen – sie war eine liebenswerte Frau, die ich vermissen werde und die in meiner Erinnerung stets mit den Namen ¨Virus D¨ und ¨Betaplan¨ verbunden sein wird!

Zwischen zwei Welten:

Als ich im Dezember nach Deutschland flog, wollte ich eigentlich gar nicht, ich wollte hier bleiben… Ich hatte mich hier richtig gut eingelebt, und es graute mir vor dem Flug (gesamte Reisezeit 26 Stunden…) und dem Wetter, das mich in Deutschland erwarten wuerde.

Dort angekommen, nach 26 stuendiger Reisezeit (uebliche Wartezeit auf dem Flughafen, verspaeteter Abflug, verpasster Anschlussflug in Lissabon, weiteres Warten, Bahnfahrt von Frankfurt ueber Dortmund und Coesfeld nach Billerbeck), fror ich die erste Nacht trotz normaler Raumtemperatur und zusaetzlicher Decken ¨wie ein Schneider¨. Nach einem schoenen Weihnachtsfest, Besuchen bei Freunden, schoenen Sessions mit meiner Band Betaplan und 2 schoenen Tauchwochen auf Teneriffa und Lanzarote stand dann ploetzlich wieder die Rueckreise an. Da war es dann wieder genau umgekehrt – ich wollte eigentlich nicht wieder zurueck… Der Flug selber war zwar unglaublich beeindruckend (3 Stunden ueber der Sahara – die Bilder waren der schlichte Wahnsinn!!), doch umso groesser war der Frust an den ersten Tagen: Statt des erhofften hochsommerlichen Wetters war alles grau in grau und es regnete wochenlang, und darueberhinaus waren meine Kollegen noch in Urlaub, so dass ich das erste Wochenende reichlich deprimiert in meiner neuen Wohnung hockte. Zum Glueck aenderte sich das nach einigen Tagen schnell und radikal…

Sicherlich mit dafuer verantwortlich war der hiesige Karneval. Zwar zog es mich nicht ins Sambadrom, wo jedes Jahr die farbentraechtigen, weltberuehmten Umzuege stattfinden (dazu war meine Stimmung noch zu stark beeintraechtigt), aber ich stuerzte mich in den Strassenkarneval und fand dort mein Gleichgewicht wieder zurueck. Direkt nach der Rueckkehr von meinen ersten Erlebnissen diesbezueglich verfasste ich einen kurzen Bericht, den ich nachfolgend wiedergebe, um einen Eindruck davon zu vermitteln, was mich dabei beeindruckt hat:

Karneval

Karneval im Sambodrom    (Pressefoto)

Strassenkarneval in Rio (01.02.2008):

Als ich am Freitag, den 25.1. hier gelandet war, riet mir mein Taxifahrer, sofort am nächsten oder übernächsten Tag ins Sambodrom zu fahren, da der Eintritt dort z.Z. noch kostenlos sei. Aber mir stand der Sinn nicht danach, zu groß war der Schmerz wegen der Trennung von Eltern, Bruder und Freunden.

Außerdem glaube ich nicht, dass ich mich so schnell mit der extrem inszenierten Karnevals-Glitzer-Show in diesem speziell für Karneval gebauten Stadion werde anfreunden können, das von den verschiedenen Gruppen in einer genau festgelegten Zeit durchlaufen sein muss. Jede Sekunde zu viel oder zu wenig gibt ebenso Punktabzug wie ein Fehler bei der Praesentation… (Am Ende gibt es eine vielbeachtete Rangfolge wie bei der Bundesliga.) Nach wie vor interessiert mich viel mehr das Alltagsleben hier.

Also nix Glitzershow, sondern rein ins volle Leben, nachdem mich mein Gitarrenlehrer gestern auf einen offenbar lohnenswerten Ort aufmerksam gemacht hatte.

22:30 Mit Taxi hingefahren und mit dem noch vorhandenen Portemonnaie bezahlt...

22:35 Es gibt tatsächlich das Gefühl der Platzangst. Ich werde geschoben, gerempelt, mir wird der Weg versperrt, ich werde von links, rechts, vorne oder hinten geschubst und kämpfe damit, das Gleichgewicht und die Ruhe zu bewahren. Komme an einem LKW vorbei, auf dem eine Band spielt, kaum zu hören, denn die Menschen singen so laut mit.

22:45 In einem Moment, in dem ich ohne Gewaltanwendung wieder tief einatmen kann, stelle ich fest, dass mein Portemonnaie, das in einer Seitentasche mit Reißverschluss steckte, fehlt. O.k., da war nur der kleinere Teil des Geldes drin, den ich mitgenommen hatte. Die „Soll-bruchstelle“ hat funktioniert – sie hat mir gezeigt, was hier abgeht....

(Aus diesem Grund gibt´s auch keine Fotos von meinen Karnevalserlebnissen…)

23:30 Ca. 500 m Strasse geschafft. Reicht!!! Na gut, das letzte Stück war nicht so schlimm. Also ein kleines Stück zurück werde ich auch noch schaffen, dann die naechste Straße Richtung Largo de Machado, meinem Lieblings(markt)platz in Rio (J 8 – meine Eltern haben einen Stadtplan, muessen doch wissen, wo sich ihr Junge abends so herumtreibt...), die Zahl der Leute auf der Strasse wurde auch erwartungsgemäß etwas geringer, aber dann ...

...auf dem Rueckweg am Praca S. Salvador hängen geblieben - da ging auch die Post ab, aber da war es nicht sooo eng und von daher viel schöner:

Ca. 2-3000 Leute sind auf dem rel. kleinen Platz. Da, wo ich ankomme, wird kräftig (und absolut synchron und fehlerlos!) gesungen – im Hintergund irgendwo eine Percussiontruppe.

Von denen gibt es, wie ich später feststelle, noch ein paar weitere auf dem Platz und in den zubringenden Straßen. Aber – und dass ist neu für mich – es gibt keine anderen Instrumente. Die Rhythmik der Musikstücke ist für diese hier so charakteristisch, dass die Leute sie nur daran erkennen und mitsingen. Und wie die singen! Hatte ich meinen ehemaligen Kollegen mal geschrieben, Brasilianer seien musikbesessen? Allmählich beginne ich die Dimension dieses Wortes zu erfassen...

Und wer irgend etwas „schlagbares“ finden kann, hämmert darauf herum – und zwar in absolut bewundernswerter Perfektion. Egal ob Mann oder Frau, es wird einfach mit unglaublicher Konzentration und Kraft vor allem auf die ca. 20 cm Durchmesser messenden Hand-Trommeln „draufgedroschen.“

Die Lebendigkeit, Präzision und immer wieder zwischendurch erfahrbare Freundlichkeit der Menschen (was ist das für ein komisches quietschgrünes Getränk – ich darf probieren – Caipirinha, kenn´ ich doch, aber die Farbe? – ach ja, ist ja Karneval) faszinieren mich immer wieder auf´s neue.

00:30: Nachdem wir heute (endlich mal wieder) 30 Grad hatten, hat sich inzwischen alles grau in grau zugezogen. Es beginnt zu gewittern. Der erste Donner wird von den Stimmen der Feiernden neben mir reflektiert ... und wie...!

Es beginnt zu schütten. Auch hier: „Und wie!!!“

Die Hälfte der Menschen sucht rennend die Flucht, die andere Hälfte bleibt und feiert unbeeindruckt weiter. Eigentlich sogar noch ekstatischer (auch dieses Wort hat für mich eine neue Bedeutung bekommen...)

Habe mich selber in einer halboffenen Telefonzelle verschanzt. Ein Brasilianer kommt vorbei und sieht mich an. „Eu nao gosto chuva“, sage ich betont kläglich und ernte ein herzliches Lachen. Da ist sie wieder, diese unglaubliche Herzlichkeit. Wie war das doch gleich mit dieser alten Frau vorhin, geht mir durch den Kopf, die – während alle anderen feiern - mit einem großen Plastiksack über den Rücken Blechdosen sammelt??? Sie tat das mit leicht taenzelnden Schritten! Was geht hier ab??? Auf der anderen Seite fällt mir gerade ein, dass im Durchschnitt täglich 17 Personen in Rio erschossen werden, in ganz Brasilien 40.000 pro Jahr. Wenn ich in Zukunft mit einer Antwort auf die Frage „Wie war´s denn so?“ alle Freunde nerven sollte, dann mit der: „Total gegensätzlich!“ Und zwar so was von total...

1:15 Inzwischen bin ich auch in meinem Unterstand so durchgeweicht, dass mich wohl kein Taxi mehr mitnehmen wird. Also ist eh alles egal, wieder rein in´s Getümmel. Ich bewundere die Kondition der Brasilianer (ach so, der eine Gesprächspartner gerade kam aus Texas) sowie die Komplexität der Rhythmik ihrer Lieder. Kann man das eigentlich noch Lieder nennen? Scheint eher so was wie ein Rauschmittel zu sein. Und dabei geht bis jetzt (trotz enormen Alkohlkonsums) alles völlig friedlich, freundlich, familiär zu.

1:30 Es reicht... Ich suche mir ein Taxi und treffe in dieser 10 Mio-Stadt dabei einen aus der Musikerclique meines Gitarrenlehrers. Egal, ich will jetzt zurück: „Eu gosto carneval, mas eu nao gosto chuva. Boa noite, meu amigo“ – und ciao...

Im Taxi (ich werde tatsaechlich mitgenommen – voellig durchnaesst, wie ich bin!) freue ich mich riesig, dass ich inzwischen kleine Konversationen zustande bringe. War ein harter Weg, und der weitere wird auch nicht einfacher...

In der Wohnung angekommen, gibt´s nur eines: In kompletter Montur unter die Dusche. Nass sind die Sachen eh, und da bei solchen Sintfluten schnell schon mal die Kanalisation „SOS¨ nach oben funkt, schadet´s nichts, wenn die Sandalen auch gleich ´ne Ladung Süßwasser abbekommen.

Entweder ich hätte sie wegen des Gestanks wegwerfen müssen oder sie werden wegen Schimmelbefalls das gleiche Schicksal erleiden. Vielleicht sind sie morgen aber auch wieder einsatzfähig. Wäre schön, nach den inzwischen ca. 600 km, die ich mit ihnen hier absolviert habe...

So, das wäre also mein erstere Eindruck von Rio´s weltweit berühmtesten Fest. Ein anderes Fest, für mich viel bedeutsamer, hat sich gerade im Hintergund und völlig unbemerkt von der Weltöffentlichkeit abgespielt – habe einen der beiden Verstärker, die inzwischen hier in Brasilien bzw. in der Schule eingetroffen sind, während des Notierens meiner Erfahrungen auf 110 Volt umgerüstet und die ersten für mich befriedigenden Töne auf einer E-Gitarre in Brasilien produziert.

Karneval in Rio ist ja nicht schlecht, aber es geht doch nichts über einen richtig guten Sound...

Apropos „gut“ –

Gute Nacht! Ich bin platt!! Aber so was von platt!!!

3:15 Boa noite e bom carneval em Alemanha!

Lanzarote Lanzarote unter Wasser  
Bilder meines Lanzarote-Urlaubs
Unter Wasser vor Lanzarote
 

Besuch einer Favela:

Nur am Rande erwaehnen will ich, dass mich die ueberall wahrnehmbare Musik auch zweimal in eine Favela gelockt hat. Dabei hatte ich mich immer wieder auf meinem Weg erkundigt, ob es gefaehrlich fuer mich sei, erhielt aber beruhigende Antworten. Weniger beruhigend war dann, dass ich – am Festort angekommen – neben doch recht monotoner Techno-Musik und einer insgesamt sehr kuehlen Atmosphaere 6 junge Maenner mit Maschinengewehren postiert sah. Als einer, der neben einem derart Bewaffneten stand, diesen auf mich aufmerksam machte, indem er zu mir herueberzeigte, wurde mir etwas mulmig. Allerding wirklich nur in diesem Augenblick. Entweder bestand keine Bedrohung oder ich empfand sie nicht.

Waehrend meine brasilianischen Freunde mit mir schimpften, als ich ihnen davon erzaehlte, meinte der brasiliansiche Organisationsleiter der Schule, es sei nicht so gefaehrlich fuer mich gewesen, wie man haette denken koennen, denn hier wuerden mich alle beobachten, kennen und wissen, wo ich arbeite etc. Auch meine bras. Freunde meinten, zur Karnevalszeit waere so etwas vielleicht noch moeglich, aber sonst… Na gut, ich war nur noch zweimal ausserhalb der Karnevalszeit nochmals dort. Aber erst mal nicht mehr. Versprochen.

In meinen Recherchen habe ich herausgefunden, dass die Bewohner der Favelas zur unteren Mittelschicht gehoeren. Sie selber stellen weniger ein Gefahrenpotential dar - schliesslich kommen viele Empregadas = Haushaltshilfen, so wie beispielweise auch meine, sowie andere Dienstleister der oberen Mittelschicht aus diesen Gebieten - als vielmehr die Umstaende, die mit dem Verkauf von Drogen zu tun haben. Die Drogen, die hier vertrieben werden, werden von wohlhabenden Bewohnern Rios an bestimmten Lieferpunkten gekauft. (Die Bewohner der Favellas koennen sich diese nicht leisten und begnuegen sich stattdessen mit dem z.T. extrem billigen Zuckerrohrschnaps bzw. Cachaça.) Die Drogenbosse haben natuerlich ein Interesse daran, ihre Einflussgebiet zu vergroessern, um dadurch einen groesseren Absatzmarkt zu bekommen.
Favela
Favela
Dementsprechend kommt es immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen rivalisierenden Banden (und mit der Polizei, genauer gesagt mit einer beruechtigten, weil extrem brutalen Elite-Einheit derselben),worauf wohl auch die Anwesenheit der Bewaffneten, die das Fest offenbar schuetzen sollten, hindeutet. Waere es zu einer derartigen Auseinandersetzung gekommen, haette es eng werden koennen…

Ich weiss nicht, was mich dorthin getrieben hat. O.k., ich weiss es, ich fuehle es, kann es aber nicht beschreiben. Vielleicht spaeter mal, wenn ich mehr erlebt habe und mir ueber einiges besser klar geworden bin. Jedenfalls war es eine Erfahrung, die nur wenige ¨von aussen¨ gehabt haben duerften, die sich sehr tief in mein Inneres eingegraben und mein Bild von Rio um eine wirklich sehr beeindruckende bzw. bedrueckende Facette erweitert hat.

Im Gegensatz zu der ausgelassenen Stimmung auf den Strassen war hier von Froehlichkeit nichts zu spueren, und jedes Wochenende, wenn die Techno-Musik wieder die Strassen herunterdroehnt und meine Wohnanlage erreicht, muss ich an die kalte Atmopshaere denken und frage mich, was in den dort lebenden Menschen bzw. Jugendlichen vor sich geht, wenn das das ist, was sie unter Party, feiern, Geselligkeit und wie immer man das nennen mag, verstehen. Sehr befremdlich…

Adlerrochen Engelhai  
Adlerrochen Engelhai vor Teneriffa  

Autofahren in Rio:

Inzwischen habe ich damit begonnen, den zum Jahreswechsel erworbenen Wagen meines Vorgaengers in Rio zu bewegen. Soll heissen, ich uebe sonntags in aller Herrgotts-Fruehe, hier Auto zu fahren. Dann ist der Verkehr naemlich noch nicht so extrem und man kann es wagen sich hineinzubegeben.

Meine erste Fahrt brachte mich gerade mal 300 m weit – bis zur ersten Tankstelle, die gleich meinte, ein Oelwechsel sei dringend faellig (was mir der Vorbesitzer schon mitgeteilt hatte). Also Sonntagmorgen ca. 40 Minuten lang Oelwechsel (mit einigen Komplikationen)… Da noch ein weiterer Termin anstand, kam ich nicht weiter, sondern fuhr auf dem kuerzesten Weg zurueck zu meiner Wohnung.

Eine Woche spaeter Ausflug zur Lagoa, einem grossen Binnensee und zum Largo do Machado, meinem Lieblings-Marktplatz. Die Strassen dorthin kannte ich zur Genuege von meinen Stadterkundungen zu Fuss, also wagte ich mal einen groesseren Ausflug, und selbst um 12 Uhr hielt ich mich noch tapfer. Als ich aber das Fenster an der Fahrerseite, das ich etwas heruntergelassen hatte, nicht mehr dazu bewegen konnte, sich wieder nach oben zu begeben (den Fehler hatte mir der Vorbesitzer nicht mitgeteilt), sank meine Stimmung wieder, denn so musste ich meinen Plan aufgeben, den Wagen irgendwo abzustellen, ein Eis zu essen und zurueckzufahren, denn ein Auto mit offenem Fenster in Rio stehen zu lassen, ist weniger empfehlenswert. War vor Anstrengung von den Versuchen, das Fenster manuell wieder hochzuschieben (und der Aussentemperatur von 35 Grad) schweissgebadet… An einer Tankstelle schafften wir es dann zu dritt, das Fenster wieder hochzuziehen. Ich schwor mir, es nie wieder zu beruehren…

Eine Woche spaeter: Grosser Ausflug zur Nachbarstadt Niteroi. Erst umfuhr ich das Stadtzentrum und nutzte dazu einige mehrere Kilometer lange Tunnel (Fluchtroehre? Fehlanzeige…), dann ging es ueber eine 10 km lange Bruecke. Soweit, so gut, aber als ich an die Mautstelle kam, fiel mir siedendheiss ein, dass ich ja das linke Fenster nicht betaetigen durfte. Und da an solchen Stellen die Fahrbahn meistens sehr stark verengt ist, war ich unsicher, ob ich dort wuerde aussteigen koennen um zu bezahlen. O.k., ging gut und als ich auf dem Rueckweg erneut versuchte, das Stadtzentrum (dieses Mal an der anderen Seite, der Kueste) zu umfahren, die passenden Richtungsschilder fand und fast schon stolz auf meine Leistung war (alles in allem gut 80 km), kam eine Strassensperre… also musste ich doch durch´s Zentrum…

Am darauffolgenden Samstag abends bei Dunkelheit und Regen durch´s Stadtzentrum gekaempft. Ging alles 2 Stunden lang gut, bis ich dann irgendwo abgebogen bin. Anfangs wunderte ich mich, dass die Strasse voellig leer war, doch dann kamen mir ploetzlich auf allen 3 Spuren Autos entgegen… Dass die hier nicht Auto fahren koennen, war mir schon laenger klar. Dass man sich mal mit der Richtung vertun kann, kann ja auch mal passieren. Aber so viele??? Jedenfalls hatte ich danach erst mal keine Lust mehr gehabt und bin zurueck zu meiner Wohnung gefahren…

Wie war das noch mal mit der Generalprobe? Die muss immer schief gehen, damit´s dann klappt, wenn´s ernst wird.

Am 20.03. bin ich dann (mit Gaesten einer Schule aus Deutschland sowie einer Kollegin meiner Schule) mal wieder nach Buzios gefahren – dieses Mal aber nicht mit dem Bus, sondern mit dem eigenen Wagen. Ist alles gut gegangen. Allerdings habe ich unterwegs den Wagen der vorausfahrenden Gastgeberin verloren, und als ich in Buzios ankommend per Handy erfragen wollte, wo ich denn nun einkehren koennte, musste ich feststellen, dass ihr Hnady ausgeschaltet war…

Buzios
Buzios

Buzios:

Vom 22.-25.3. war ich – nun schon zum 5. oder 6. Mal – also wieder in Buzios. Wie auch sonst gab es einige schoene Tauchgaenge. Das schoenste Erlebnis war aber ein musikalisches – inzwischen kenne ich einige der hier regelmaessig auftretenden Musiker und habe mit einigen schon das ein oder andere Stueck zusammen gespielt. Als ich abends mal wieder einer Gruppe zuhoerte, stand irgendwann der Gitarrist auf, gab mir seine Gitarre in die Hand und war eine Stunde lang verschwunden… Also musste ich ihn ersetzen…

Ich konnte es kaum glauben...

 

Zoologische Erfahrungen:

Auf dem Schreibtisch im Buero stand ein weisser Plastikbecher, umgestuelpt darueber ein durchsichtiger Becher. Dadurch konnte man sie sehen, die ca. 25 cm lange, huebsche, schwarz-rot-weiss gebaenderte Korallenschlange. Sie war in der Kueche gefunden worden, und – klar – zu mir und meinem Kollegen (ebenfalls Biologie-Lehrer) gebracht worden. Uns war klar, dass es giftige und ungiftige Arten gibt. Also im Internet nachgeschaut. O.k., die giftigen sollten sogar e x t r e m giftig sein, aber unser Exemplar hatte schmalere Streifen und schien mehr der ungiftigen Art zu aehneln. Aber es gab noch weitere, insgesamt 75 Arten. Das machte uns dann doch wieder etwas unsicher und wir rieten einem Mitarbeiter der Kantine, der sie gerne mit zu sich nach Hause nehmen wollte, erst einmal ab.

Als wir nach einer Konferenz wieder das Buero betraten, war es der Schlange wohl etwas zu langweilig geworden und sie hatte wohl gemeint, ein Ausflug koenne nicht schlecht sein. Also (mit reichlich gemischten Gefuehlen) wieder eingefangen und ein zoologisches Institut angerufen. Wollten sich wieder melden.

Inzwischen war es Freitagnachmittag und ein Mitarbeiter der Schule hatte (entgegen unseren Anweisungen – schliesslich koennen Reptilien problemlos laengere Perioden ohne Nahrung ueberleben) das Tier wieder im Schulgelaende ausgesetzt… und damit unseren Zorn auf sich gezogen, denn das Intistut rief ploetzlich an: Ja, man sei sehr an dem Tier interessiert, um Versuche zur Gewinnung neuer Seren durchfuehren zu koennen. Sie gehoere naemlich zu einer der giftigen Arten…

Einige Wochen spaeter wurde ein doppelt so grosses Exemplar gefunden. Als ich den eintreffenden Institutsmitarbeiter nach der Giftigkeit dieser Art fragte, verstand ich zumindest soviel seiner Antwort, dass es innerhalb von 2 Stunden wirkt…

Korallenschlange
Korallenschlange

Schule:

Inzwischen haben hier die ersten Abiturpruefungen begonnen. Nach 7 Jahren als Oberstufenleiter eigentlich Routine fuer mich, aber unter den hier gaenzlich anderen Bedingungen doch ein wenig aufregend. Bis jetzt verlief alles problemlos und ich bin sehr zufrieden.

Mitte Juni werden dann die muendlichen Abiturpruefungen folgen, und parallel dazu werde ich mich bereits mit der Vorbereitung der Abiturpruefungen im 2. Halbjahr befassen muessen, wenn erstmals am Ende des 12. Jahrgangs die Pruefungen abgelegt werden muessen.

Bereits jetzt muss ich die Aufgaben fuer meinen eigenen Biologie-Kurs zusammenstellen, nebenbei einen Stapel Klausuren korrigieren, mit meiner Klasse einen Beitrag zum Schulfest im Juni planen und und und…

Es ist so, wie ich es am Ende des letzten Jahres geahnt hatte: Die ¨Schonzeit¨ ist vorueber und ich stecke bis zum Hals in Arbeit. Aber – und damit waere ich wieder zum Anfang des Berichts zurueckgekehrt – ich kann, will und darf nicht klagen, denn ich bin mit allem hier mehr als zufrieden!

Allerdings will ich mal hoffen, dass die Arbeit nicht noch mehr zunimmt und ich nicht nochmals 4 Monate dafuer brauche, mal wieder einen Bericht fuer Euch zusammenzustellen…

Uwe

 
 

Diese Fotos schickte mir Uwe am 15. Mai 2008 zu.

Oben seht Ihr einen phantastischen Sonnenaufgang über Rio und links den Zuckerhut; beides aufgenommen am 14. Mai 2008.

UweBrunn@gmail.com
NEU: Uwes Website
   
Ältere Einträge:
Bericht vom 22. Dezember 2007
Bericht vom 19. August 2007
Bericht vom 20. Juli 2007
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